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CIRCUS
THE BLOGGERS' BOOKAZINE

Bookazine? Bookazine!

von Rebecca Sandbichler · geschrieben am 28. Februar 2010 · read this article in English

W.t.f? Diese drei Buchstaben sehe ich durch den Kopf meines Gesprächspartners schwirren, wie Dollarzeichen, die in Onkel Dagoberts überdimensionierten Entenaugen aufleuchten. Immer dann nämlich, wenn ich erzähle, was Herznote macht: “Bookazines, wir produzieren Bookazines.” Damit kann niemand etwas anfangen. Bücher, Magazine, Zeitungen, Illustrierte, TV-Programmheftchen – das ist der gedruckte publizistische Orbit, in dem sich der durchschnittliche Medienkonsument bewegt. Doch auch unsere Journalistenkollegen runzeln bei dem Wort die Stirn und die Beschreibung “eine Mischung aus Buch und Magazin” macht es ihnen nicht einfacher. Uns übrigens auch nicht. Weil es bisher so wenige Verlage gibt, die dieses Wort für ihre Publikationen benutzen. Weil es – aus unserer Sicht – so oft falsch verwendet wird. Weil wir bis auf ganz wenige Ausnahmen keine Vorbilder haben.

Graphic Novellist und Blogger Warren Ellis hat einige interessante Definitionen des neuen Trendformats zusammengetragen. Das Verständnis davon, was nun wirklich ein Bookazine ausmacht, ist Auslegungssache des jeweiligen Verlages. Manch größere, dort nicht genannten Verlage finden übrigens, einige nette Artikel aus vorherigen Ausgaben zusammenzuwürfeln, wäre genug, um “Bookazine” aufs Cover ihres Recyclingprodukts zu drucken. So driften die Meinungen auseinander…

Auch wir müssen uns in Detailfragen noch auf eine genaue Definition des Wortes einigen. Für CIRCUS haben wir aber bereits einige Grundzüge des Bookazines festgelegt:

CIRCUS Bookazines…

…sind monothematisch und zeitlos

…erscheinen jedes Mal einzigartig und neu

…bestehen aus Beiträgen von verschiedenen Autoren und Künstlern

…bieten eine hintergründige, ungewöhnliche Perspektive auf das Thema, das sie beleuchten

…enthalten teilweise formale Elemente von Büchern: Prolog und Epilog, ein ausführliches Inhaltsverzeichnis, Kapitel und Notizen

…sind lesefreundlich und facettenreich gestaltet wie ein Magazin: Fotostrecken, Illustrationen, ein perfekt abgestimmtes Layout

…haben einen luxuriösen Einband und festes Papier

…kauft man in bestens sortierten Magazinläden, Buchhandlungen, Boutiquen und Museumsshops

…landen nicht im Papiermüll, sondern als Sammlerstück ganz vorne im Bücherregal

Den zeitlosen Charakter besonders schön auf den Punkt bringt die Definition des nordischen Bookazines LOFT:

„‘BOOKAZINE’ because we want to create something worth keeping. A symbiosis

between a magazine and a book that goes against the dominant trend of consuming and throwing away tons and tons of printed matter that we could have easily done without from the beginning.“

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