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Victoire Jin
Victoire Jin

Das Wiener Wunderkind

von Rebecca Sandbichler · geschrieben am 13. Dezember 2010 · read this article in English

Victoire Jin ist eines dieser modernen Wunderkinder. Die 17-Jährige betreibt einen erfolgreichen Blog, schießt wunderschöne Editorials, publiziert ganz alleine ein PDF-Magazin von beachtenswerter Qualität, schafft es immer wieder Bands wie „We are Scientists“ zu treffen und muss wohl ganz gut in der Schule sein, wenn sie in Oxford vorsprechen darf. Wir haben das junge Multitalent interviewt – über Arbeit und Stress, tolle Fotos und ihre kindischen Hobbys.

Vicky, du lebst in Wien. Was macht diese Stadt für dich aus?

Ich wurde in Wien geboren und es ist die einzige Stadt in der ich bisher wirklich gelebt habe. Ich glaube, generell ist Wien ziemlich sicher, sauber und reich an Kultur. Wenn ich aus anderen Metropolen wie London oder Peking zurückkomme, dann fühle ich mich entspannt und zuhause, denn Wien ist nicht so chaotisch und geschäftig. Und es gibt immer etwas zu entdecken.

Du hast bereits zwei Ausgaben von KNEON rausgebracht. Wie hast du die Themen dafür gewählt?

Die Themen bestehen aus einfachen Worten oder Phrasen die mir in den Sinn kommen und bei denen ich mir vorstellen kann, wie das Magazin dazu aussehen könnte. Die erste Ausgabe „Romance with an edge” entstand als Kontrast zu den typisch blumigen und weichen Materialien des Sommers. Das passte zur Jahreszeit. Die zweite Ausgabe „Big City Life” war eine spontane Idee und etwas enger gefasst.

Unsere Generation scheint die Trennung von Arbeit und Freizeit nicht mehr so streng zu nehmen. Ist KNEON Arbeit? Und wie entspannst du dich?

Jede Ausgabe erfordert sehr viel Zeit und Anstrengung – in dieser Hinsicht ist es Arbeit. Allerdings liebe ich die Produktion, denn sie pusht meine Kreativität. Ich sehe es nicht als Pflicht oder “Arbeit” an wie einen Job. Es ist eine Beschäftigung neben der Schule, die ich sehr genieße.

Entspannung ist für mich: Ausschlafen, Fotos machen und bearbeiten, Serien schauen (Conan und Vampire Diaries liebe ich besonders) und Musik hören.

Als ich ein PDF-Magazin produzierte war ich immer frustriert, wie wenig Anerkennung man für die Arbeit bekommt. Bist du zufrieden oder möchtest du etwas an KNEON verändern?

Ob gedruckt oder digital – beides hat seine positiven Seiten. Das Gute an digitalen Magazinen ist, dass man sich keine Gedanken über Vertrieb, Marketing oder Sponsoren machen muss. Außerdem sind sie für viele Menschen zugänglich, da das Internet ja doch recht groß ist. Ich bin sehr zufrieden mit KNEON als PDF-Version, da ich sehr viel Zeit mit Schule und meiner Vorbereitung auf die Uni verbringe. Trotzdem könnte ich mir vorstellen, es einmal in Print zu überführen.

Du hast tolle Foto-Editorials in KNEON. Was müssen Fotostrecken „haben“, um von dir veröffentlicht zu werden?

Vielen Dank! Ich stelle mir diese Frage auch sehr oft, denn es ist schwer, Fotografen oder Künstlern zu erklären, warum ich ihre Fotos gerade nicht veröffentlichen kann. Ich denke, sie müssen zum Thema der Ausgabe passen (was wäre sonst der Sinn?) und sie müssen originell, kreativ und hochwertig sein. Das ist natürlich hochsubjektiv und daher sehr schwer zu erklären. Ich verlasse mich auf meinen Instinkt und versuche mir vorzustellen, wie die Bilder im Satz aussehen werden.

Du weißt offensichtlich sehr viel über grafische Gestaltung und Fotografie. Woher hast du diese Fähigkeiten und wie baust du sie aus?

Ich habe unser Schul-Magazin gesetzt und war auch im Jahrbuch-Team. Das hat mir schon eine recht gute Basis für das Design von KNEON gegeben. Fotografie habe ich nie professionell gelernt, daher ist mein Wissen sicher nicht komplett. Aber ich höre nie auf zu Fotografieren und ich liebe es einfach, Menschen so abzulichten, dass sie schön aussehen.

Wie organisierst du die Arbeit mit all diesen Menschen? Am Ende machst du das Layout selbst, aber da ist sicher ein Team das dir bei der Korrektur und anderen Dingen hilft, die für die Qualität wichtig sind, oder?

Ich bin die einzige Redakteurin hinter KNEON – alles vom Layout bis zur Artikelplanung und den Interviews ist von mir. Editorials, Texte und Kunst werden mir zugesandt und ich entscheide dann, ob sie zum Magazin passen oder nicht. Ich habe schon darüber nachgedacht, das Team durch permanente Mitglieder zu erweitern, aber das würde alles verkomplizieren. Es wäre schwer, den durchgängigen Look zu erhalten.

Warst du sehr nervös, als du die erste Ausgabe online gestellt hast?

Absolut. Ich habe schon länger über den Produktionsprozess auf meinem Blog berichtet und einige Leser interessierten sich dafür. Ich wusste also, dass zumindest 12 Leute das Ding lesen würden; das beruhigte mich. Trotzdem war es nervenaufreibend, etwas zu veröffentlichen, was mich so viel Zeit und Liebe gekostet hat.

Welches andere PDF Magazin sollten wir lesen?

Das I love fake Magazin. Es wirf auch von nur einer Person herausgebrahct: der talentierten Jolijn Snijders. Sie hat einen tollen Geschmack und viel Sinn für Layout und Typographie. Alle Themen sind originell und die eigensinnigen Editorials zeigen einem ganz neue Ansichten über Mode und Designer.

Weil es grade stark diskutiert wird: Wie siehst du die Zukunft des Modeblogging?

Modeblogs haben jetzt schon viel bewegt und ich denke, das ist nur der Anfang. Manche sagen sie wären der Tod des Prints, doch das glaube ich nicht. Ich denke, Print muss sich nur auf Veränderungen schneller einstellen und mit seinen Lesern und der ganzen Industrie mithalten.

Und die Zukunft deines eigenen Blogs?

Ich hoffe, dass ich den Blog auch während der Uni noch weiterführen kann und dass meine Leser mich nicht bald satt haben.

Manchmal fühle ich mich ein wenig oberflächlich, wenn ich den ganzen Tag Modeblogs lese. Wie denkst du darüber?

Ja, Modeblogger könnte man als ziemlich oberflächlich, sogar selbstverliebt bezeichnen. Aber Bloggen ist nur eine neue Nische in einer großen Auswahl an Hobbies. Modeblogs verlangen eben, dass Autoren eher Fotos von sich selbst machen als bei einem Musikblog vielleicht.

Welche Themen sind die wichtig – außer Mode?

Musik und Bands, was auf der Welt abgeht und natürlich, was es zum Abendessen gibt.

Gibt es noch kindische Dinge, die du gerne tust?

Ich sehe mir „Detective Conan“ an, lebe für hot brownies, träume von Bandmitgliedern und streite mich ständig mit meiner kleinen Schwester.

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