
Der Glasgower Style Guru
von Mary Creighton · geschrieben am 15. September 2010 · read this article in EnglishEine Kamera, ein gutes Auge und eine Internetverbindung . Laut Les Garcons de Glasgow ist das alles was man braucht um einen Streetstyle-Blog zu starten. Aber um den Blog so weit zu bringen, dass er fast 3000 Facebook-Fans hat, seine eigene T-Shirt Kollektion besitzt und Einladungen zu den wichtigsten Fashion Shows des Landes bekommt, muss man mehr bieten. Glücklicherweise war Garcon Jonathan so nett und hat einige meiner Fragen beantwortet.
Was hat dich dazu gebracht deinen eigenen blog zu starten.
Als ich in New York gewohnt habe, hat mein besten Freund Daniel mir von einer Ausstellung des Sartorialist erzählt und um diese Zeit haben wir angefangen regelmäßig über die interessanten Leute zu reden, die wir in den verschiedenen Städten getroffen haben. Als ich dann meinen Abschluss hatte, gründete ich eine Social-Media-Marketing-Agentur und dachte ein Style-Blog wäre eine großartige Ergänzung zur Arbeit mit meinen Mode-Klienten. Daniel hatte ein paar Streetstyle Fotos geschossen und so entschieden wir, sie auch auf Les Garcons zu benutzen. Von da an ging es recht schnell – innerhalb weniger Monate hatten wir ungefähr 600 Besucher am Tag und es wuchs und wuchs.
Wie habt ihr die riesige Menge an Fans mobilisiert? (2695 Fans auf Facebook ist viel für einen Streetstyle-Blog)
Ich denke, als Les Garcons de Glasgow startete, gab es echt Platz für eine Streetstyle-Blog in der Stadt. Wir veröffentlichen eine Menge Informationen über Facebook, die interessant für Schotten sind, nicht nur Mode. Zusätzlich dazu glaube ich, ist der Inhalt wichtig, wir versuchen das zu posten, was wir selbst sehen wollen und interessant finden – den Menschen gefällt das, schätze ich, weil sie ähnliche Dinge mögen.
Glasgow ist nicht gerade eine Stadt die für ihren Style bekannt ist. – Wie einfach ist es Fashion auf den Straßen Glasgows zu finden?
Wenn es ein kulturelles Element gibt, für das für Glasgow bekannt ist, dann glaube ich, wäre es Musik. Und Mode und Musik gehen Hand in Hand. Die Menschen in Glasgow haben ein recht liberales Verständnis von Mode, ähnlich wie in Berlin. Es ist ziemlich günstig zu leben, so gibt es eine Vielzahl von Künstlern, Designern und Musikern, die hier tätig sin, aber es gibt traditionell eine große Arbeiterklasse. Dies bringt eine wirklich nette vielseitige Mischung aus künstlerischem Flair und Spaß am Anziehen. Wenn du in einen Club gehst oder auch am Wochenende durch die Einkaufsstraßen, gibt es Massen von Menschen piekfein gekleidet, die ihre feinsten Sachen zeigen wollen.
Warum denkst du, Streetstyle-Blogs sind inzwischen so populär?
Wir sind mittlerweile so desensibilisiert worden von den traditionellen Medien, die Gott spielen – Sie diktieren Trends und verändern die Menschen bis zur Unkenntlichkeit mit Photoshop. In Streetstyle-Blogs können die Leute echte Kleidung an realen Personen sehen und erhalten auch einen Einblick in den Stil der Stadt. Und zwar über das das hinaus, was jeder Reiseführer jemals zeigen könnte. Wenn ich auf Reisen bin, sehe ich mir immer zuerst die örtichen Streetstyle-Blogs an.
Welche anderen Blogs verfolgst du?
Ich liebe ein gutes Modeblog. Ich bin ein großer Fan von Zeitschriften. Ich hab’ iD und POP für ca. 5 Jahre gesammelt, daher sind Blogs sind eine gute Möglichkeit, meine geschändeten Bücherregale zu entlasten. Ich stehe wirklich auf The Selby im Moment – ich denke, dass es über den Umweg der Kleidung einen wunderbaren Einblick in das Leben der Menschen bietet.
Früher hab ich mir Kate Loves Mee angesehen, aber Pelayo ist in letzter Zeit so beschäftigt, er postet nicht mehr so viel wie früher. Ich denke, Backyard Bill ist sehr gut gemacht – was ich an Streetstyle liebe – echte Menschen, die echte Kleider tragen und ihre einzigartige Persönlichkeit einzufangen – das schafft Bill Gentle perfekt.
Welche Möglichkeiten hat Les Garcons dir eröffnet?
Gerade weil ich vorher überhaupt keine Erwartungen daran hatte, war es für mich eine durch und durch positive Erfahrung. Eines der Highlights war definitiv die große Ausstellung bei Urban Outfitters, die einige der besten Fotos des Blogs präsentierte. Ich liebe es, dass eine amerikanische Firma daran teilhat, in welcher Community sie ihre Wurzeln hat – es gibt so viele Ketten die ihre Kunden als kulturell verschieden ansehen.
Außerdem wurde ich nach Berlin eingeladen, einer meiner liebsten Städte, und arbeitete dort mit Designern und Modemagazinen zusammen. In dieser Saison fotografiere ich einige Shows in London und den Pariser Fashion Weeks. Ich werde die Arbeit von schottischen Designern dokumentieren – Louise Gray zum Beispiel (eine meiner Favoritinnen), Holly Fulton, Pam Hogg und einige mehr. Ich kann es nicht erwarten, den Street Style in Paris einzufangen. Eines meiner Lieblingsblogs ist Jak&Jil und meine Erwartungen an diese Stadt sind sehr hoch, nachdem ich Tommys Arbeit gesehen habe.
Du hast gerade deine erste eigene T-Shirt Kollektion auf den Markt gebracht. Warum?
Ich habe schon länger mit Design herumgespielt. Ich liebe es, mit verschiedenen Medien zu arbeiten (Fotografie, Malerei, Entwurf und Illustration) und so begann das als lustiges Projekt neben dem Blog.
Die ersten Design wurden in limitierter Auflage hergestellt – von Hand in Glasgow gedruckt. Dafür habe ich Fotos aus dem Blog mit eigenen grafischen Elementen kombiniert. Für mich persönlich ist ein simples weißes T-Short alles – das wird nie aus der Mode kommen und kann auf so viele verschiedene Arten getragen werden. Man denke an James Dean in einem weißen Shirt und einer Levi’s oder Kate Moss mit einem weißen Shirt und einer taillierten, weißen Hose. Vollkommen verschiedene Looks aber beide kann man mit demselben Shirt tragen. Ich mag diese Idee von Einfachheit.
Wie der Blog hat sich also auch diese T-Shirt-Sache von selbst entwickelt. Viele Leute bestellten und ich bin überrascht und natürlich froh, wie sehr sich die Menschen dafür interessieren, was wir machen: von Japan bis Singapur, von Mexiko bis nach Dänemark; die Kunden kommen aus der ganzen Welt.
Ihr habt schon viel erreicht, aber wohin könnte euch der Blog noch führen?
Viele Leute fragen mich das, aber ich habe wirklich keinen konkreten Plan. Wir haben Ende des Monats wieder eine Ausstellung und werden durch Schottland touren. Eine Auswahl meiner Fotos wird in Montpellier, im Süden Frankreichs, als Teil einer Schottland-Woche ausgestellt. Und am 25. September arbeite ich bei einem Mode-Event mit, das sich ‘Bold Souls’ nennt: Eine “re-design”- Party bei der einige schottische Designer ihre Kollektionen zeigen und mit Visagisten und Stylisten für die Kunden da sind. Jeder kann dorthin mit seiner Vintage-Kleidung kommen und sie wieder auffrischen lassen.
Zum Schluss noch ein guter Rat an aufstrebende Blogger?
Blogge, was du selbst lesen wollen würdest. Und schließ dich mit Leuten zusammen, die ähnlich ticken wie du!
Die Les Garcons T-Shirt Kollektion:











that’s my boy.
September 15th, 2010 at %H:%M