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Die lauwarme Revolution

von Rebecca Sandbichler · geschrieben am 4. Februar 2011 · read this article in English

Über 30 Millionen Dollar Investion stecken in der kürzlich gestarteten iPad-Tageszeitung „The Daily” angeblich. Immerhin will kein anderer als Rupert Murdoch damit den neuen Journalismus einläuten.

Ich habe mir das Ding mal angesehen und bin enttäuscht: Die Steuerung innerhalb der Artikel und Ressorts ist oft unlogisch, die Aufmachung erinnert mehr an eine marktschreierische Gratiszeitung als ein ernstzunehmendes Nachrichtenmedium von Welt. Auf dem iPad darf man dem Leser meiner Meinung nach bei entsprechender Aufmachung auch etwas längere Geschichten zumuten. Die Stummel im „The Daily“ bleiben jedoch oft oberflächliche Info-Happen, die im Teaser schon alles gesagt haben.

Ganz bedenklich finde ich, dass Werbung nicht gekennzeichnet ist und auch der aufmerksame Leser (ich), nicht bemerkt, ob ein ganzseitiges Bild nun Werbebotschaft oder Artikel-Aufmacher ist. Ich bin gespannt, wie dieses generelle Problem in Zukunft auch in anderen Medien gelöst werden wird.

„The Daily“ erinnert in seinem Layout sehr stark an Print. Ein Eindruck, den man nur noch verstärken könnte, wenn man einen Zombie-Gutenberg wiederauferstehen ließe, sagt Andrew Losowsky von der wunderbaren Magtastic Blogsplosion. Der Mann hat Ahnung und darum ist seine Review nicht nur äußerst unterhaltsam geschrieben sondern zudem so informativ, dass ich dem nichts hinzuzufügen habe.

Das „The Daily”-Abo kostet übrigens 99 Cent pro Woche oder etwa 40 Dollar im Jahr. Trotzdem sind alle Inhalte auch im Internet abrufbar; in Form von einzelnen Links, nicht gebündelt auf einer Website. Selbst als Abonnent kann man nicht gesammelte Ausgaben abspeichern – nur einzelne Artikel. Mit Erscheinen der nächsten Ausgabe ist der Vortag dann verschwunden. Außer man besucht die tumblr-Seite des Bloggers Andy Baio, der sie alle auf „The Daily: Indexed“ sammelt. Hier fällt beim Überfliegen auf, dass auch beim Texten der Überschriften nicht an den ungeduldigen Leser am Schreibtisch gedacht wurde. Kaum ein Titel sagt mir wirklich, was sich dahinter verbirgt. So etwas klickt man nicht gerne.

Zwei Wochen lang, ist „The Daily” übrigens noch kostenlos zu haben.

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