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Columbia Pictures
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Arschlochstudenten und kultivierte Scheußlichkeit

von Ann-Catrin Stroh · geschrieben am 13. Oktober 2010 · read this article in English

Inzwischen tummeln sich im berühmtesten Netzwerk der Welt mehr als 500 Millionen Menschen. Jetzt läuft das Phänomen Facebook auch auf den Leinwänden der Welt. Und weil auch ich eine von 500 Millionen bin, hat es mich ins Kino gezogen. Mein Fazit? Ein wirklich sehenswerter Film, den man genauso kritisch betrachten kann wie das Netzwerk selbst.

Der Film lebt von Zeitsprüngen zwischen der Entstehung von Facebook und dem Hier und Jetzt, in dem „The Social Network“ spielt – den Gerichtsverhandlungen im Jahr 2004. Eduardo Saverin, Mark Zuckerbergs einstigen und einzigen besten Freund, verklagt Zuckerberg auf Schadensersatz, weil man Saverin im Impressum nicht mehr als Mitgründer von Facebook führt.
So wird auf eindrucksvolle Weise die Facebook-Geschichte erzählt. Ganz ohne Knalleffekte und übermäßig heftigen Sexszenen.

Die Charakterisierung des Facebook-Erfinders ist genauso eindrucksvoll gestaltet. Ursprünglich ein Nobody an der Harvard University, an der sonst nur „Arschlochstudenten; verwöhnte, schnöselige, karrieregeile Arschlochstudenten; schmierige Rich Kids in schlecht sitzenden Designeranzügen, Absolventen von Elite-Unis, die jede Statistik zerbröseln, aber keine vernünftige Unterhaltung führen können“ (From Beyond) wie etwa die Winkelvoss-Zwillinge zu finden sind. Dazwischen ist Zuckerberg nur einer, den man gesehen und gleich wieder vergessen hat – so wird er, überzeugend gespielt von Jesse Eisenberg, zumindest im gesamten Filmverlauf dargestellt. Nicht wirklich sympathisch, aber auch nicht unsympathisch, nicht anwesend aber auch nicht abwesend, ein Nerd, der kein Nerd ist, sondern sich nur bemüht, ein „Arschloch zu sein“, wie auch seine Anwältin es einmal ausdrückt und seine Ex-Freundin zu ihm sagt. Oder um es in den Worten des Nothing is Written Filmblogs zu sagen: „Ein unsozialer Loser, ein Computer-Genie, der aber in allem anderen ein Versager ist. … Entweder ist Zuckerberg ein komplettes Arschloch oder eine bemitleidenswerte leere Schale mit einer Fassade kultivierter Scheußlichkeit. In jedem Fall ist er kein schöner Anblick.“

Genauso bemerkenswert wie Zuckerberg selbst ist auch die Schnelligkeit des Films: „Man wird mitgerissen, hinein in den Wahnsinn um Traffic, Mitgliederzahlen, Anerkennung und das große Geld. Es gibt exzessive Partys und exzessive Programmiernächte“, wie es Eva nicht hätte treffender beschreiben können. Vor allem die „exzessiven Programmiernächte“ sind der reine Wahnsinn.

Nach dem Film wurden dann auf jedem dritten Platz internetfähige Handys gezückt und die Facebook-Profile gecheckt. Facebook scheint überall zu sein.

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