Im Anfang war das Crowdsourcing
Crowdsourcing ist mittlerweile unersetzlich geworden, wenn man kreativ Produzieren will: Die Talente vieler Illustratoren, Journalisten, Designer und all-round-Kreativer aus der ganzen Welt wirken viel intensiver zusammen und Neues entsteht; von Magazinen bis T-Shirts ist alles dabei. Blogs sind dabei die Katalysatoren für den Wandel der Produktionstechniken, sie fassen als Online-Portfolios die kreative Arbeit zusammen und ermöglichen einen direkten Zugang, eine unmittelbare Verknüpfung zum Künstler.
Zum Glück kennt die neue Generation der Kreativen die Macht der Blogs. Eine URL ist viel flexibler, viel geeigneter für die Schnelllebigkeit unserer Zeit als ein herkömmliches Portfolio. Es ist die vernetzende Kraft des Internets, die es letztendlich ermöglicht, bequem von Zuhause aus Verbindungen quer über den ganzen Globus zu knüpfen. Es scheint, als sei Networking niemals so einfach gewesen. Sogar eine Begegnung abseits virtueller Welten mit einem potenziell ergiebigen Kontakt führt oft zwangsläufig zu der Frage: „Hast du einen Blog?“
Aber eins ist sicher: Crowdsourcing ist bei weitem nicht einfach. Weil es so viel mit sozialer Interaktion zu tun hat, herrscht eine selbstverständliche Etikette, ein ungeschriebenes Gesetz, das einem den Stil jeder E-Mail vorgibt. Durch die Arbeit an CIRCUS, dem ersten Blogger-Bookazine weltweit, lernt man ein ganzes Stück über diese “Netikette” dazu.
Die wichtigste Regel ist: Verärgere deine Blogger nicht! Sie sind die neuen Medienmacher der Online-Generation. Einflussreich. Unabhängig. Und scheuen sich nicht, ihre Meinung zu sagen. Die Popularität der Blogs kann teilweise auch auf diese echte, ehrliche und offene Meinung zurückgeführt werden. Wenn man es wagt, einen Blogger zu attackieren, muss man sich nicht wundern, wenn man daraufhin Berge von E-Mails bekommt, in denen der Blogger in Schutz genommen wird. Das sollte man sich nicht zu Herzen nehmen – es ist Teil der natürlichen Mitlauf-Mentalität des Internets. Meinungsverschiedenheiten sind unvermeidlich und Harmonie ist nicht unbedingt eine der hervorstechenden Eigenschaften des Internets. Man sollte auch bedenken, dass Blogger vielbeschäftigte Menschen sind. Viele von ihnen stellen sich selbst den Anspruch, jede einzelne E-Mail zu beantworten. Aber weil jeden Tag gebloggt werden muss, Modenschauen und Fotoshootings anstehen, Interviews und Werbeevents organisiert werden müssen, ist das Beantworten von E-Mails wahrscheinlich das Letzte, woran die Blogger denken – vor allem, wenn sie nebenbei noch einen Fulltime-Job zu bewältigen haben.
Also, fass dich kurz und komm’ auf den Punkt. Auch Kommunikation über den Computer folgt, so der Philosoph Paul Grice, den Regeln eines normalen Gesprächs. Denke bei der nächsten Nachricht daran, informativ zu schreiben, keine falschen Versprechungen zu geben und Unklarheiten zu vermeiden. Das ist zwar noch keine Garantie für eine Antwort, aber wenigstens kann man sicher sein, dass man niemandes Zeit stiehlt.
Crowdsourcing hat definitiv die Medienlandschaft verändert. Nur im digitalen Zeitalter können hunderte von Leuten aus den unterschiedlichsten Regionen zusammenarbeiten. Nur im digitalen Zeitalter zitieren Journalisten auch Blogger. Und nur im digitalen Zeitalter bitten Publizisten Blogger, extra für sie aus der digitalen Welt herauszutreten, um etwas für eine Print-Publikation zu schreiben. Der Spieß hat sich definitiv umgedreht: Die alten Hüter der Medien werden verdrängt und eine kreative Vielfalt wird anerkannt, die sonst unbeachtet bliebe.







